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Markgräfin Wilhelmine lebensgroß in Bronze gegossen

Für die Festspielstadt Bayreuth entstand ein faszinierendes Abbild des Potsdamer Originals

Seit vielen Jahren schon hatte man im Verein Markgräfliches Bayreuth den Plan, eine lebensgroße Statue der Friederike Sophie Wilhelmine von Preußen in Bayreuth aufzustellen. Bei dieser historischen Gestalt handelt es sich um die 1709 geborene älteste Tochter des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. und seiner Gattin Sophie Dorothea von Hannover. Nach den dynastischen Heiratsplänen jener Zeit hätte sie eigentlich Königin von England werden sollen. Dazu kam es nicht. Dafür wurde sie durch ihre Heirat mit Friedrich Markgraf von Brandenburg-Bayreuth im Jahr 1731 zur Markgräfin, was ja auch keine schlechte Partie war.

Verewigt in Marmor im Schlosspark von Sanssouci 


Zum Andenken an Wilhelmine, die 1758 in Bayreuth verstarb und seine Lieblingsschwester war, ließ der preußische König Friedrich II. im westlichen Teil des Parks von Schloss Sanssouci   in Potsdam den Freundschaftstempel errichten. Ebendort gibt es eine wunderschöne, rund 1,70 m hohe Marmorstatue der sitzenden Wilhelmine, die der wiederum aus Bayreuth stammende Bildhauer Johann Lorenz Wilhelm Räntz 1772 in reichem barockem Formenspiel erschuf.

Nachmodellieren oder abformen?

Genau diese Statue von Markgräfin Wilhelmine wollte der Bayreuther Verein in Form einer Replik als neue, dauerhafte Attraktion in die fränkische Festspielstadt holen. Zunächst dachte man daran, sie von Bildhauer Hanspeter Widrig anhand einer Kopie des Originals nachmodellieren zu lassen. Dieser befürchtete aber, dass bei einer Kopie nach der Kopie zu viel Originalität auf der Strecke bliebe. Und so kam man darauf, sie am originalen Aufstellungsort minutiös abzuformen. Erste Versuche einer entsprechend beauftragten Steinabformungsfirma scheiterten. Was tun? Bildhauer Widrig machte sich auf die Suche, um eine Kunstgießerei zu finden, die dieser komplexen Aufgabe gewachsen war. Und so kam auf eine Empfehlung hin unser Betrieb ins Spiel!

Marmor ohne bleibende Verfärbung abformen: 

Das Abformen der Potsdamer Marmor-Wilhelmine war auch für uns als erfahrene Kunstgießer ein komplexes Verfahren, zumal die Fachabteilung für Steinrestaurierung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die Abformung nur unter strengen Auflagen genehmigt hatte. Vor allem wollten die Experten eine bleibende Verfärbung des weißen Marmors durch das Silikonöl in der Abformmasse keinesfalls riskieren. Im ersten Schritt fertigten wir deshalb mehrere Silikonmuster an und reichten sie bei der Fachabteilung zur Prüfung ein. Nachdem ein rückstandloses und damit den Marmor nicht verfärbendes Silikon ermittelt war, begann die eigentliche Abformung mit Silikonformen, die über Stützformen ihre Stabilität erhielten. Der Marmorboden des Freundschaftstempels wurde vor Beginn der Arbeiten mit einem Schutz aus Holzplatten abgedeckt. Außerdem mussten eine Schutzhütte um das Kunstwerk herum konstruiert und auch Strom für Licht und Geräte bis in den Park verlegt werden. Insgesamt waren wir zusammen mit Bildhauer Widrig  drei Wochen lang im Einsatz.

Von Silikonformen zu Wachsmodellen und zur Bronzefigur

Als Ergebnis konnten aus den in Potsdam gewonnenen Silikonformen in unserer Gießerei Wachspositive erstellt werden, die Bildhauer Widrig nochmals sorgfältig retuschierte. Er ergänzte auch die Teile an der Rückseite der Figur, die wir beim Abformen nicht erreichen konnten. So entstanden Wachsmodelle, die bis ins kleinste Detail gingen. Nachdem die Wachsmodelle mit Angusskanälen versehen waren, verwendeten wir das Feineinformverfahren mit Schamott, um selbst die feinsten Details im Guss widerzugeben. Nach dem Gießen der einzelnen Elemente zeigte sich beim Zusammensetzen der Bronzesegmente, dass alles perfekt zueinanderpasste. Nun wurde die in Bronze wiedererstandene Wilhelmine noch gründlich ziseliert. Und sie erhielt eine leicht dunkle, antikisierende Patina, die von einer abschließenden Wachsschicht gegen Wind und Wetter geschützt wird. All diese Arbeitsschritte nahmen rund vier Monate in Anspruch.

Frau Markgräfin thront und freut sich auf Besuch

Die Freude beim Verein Markgräfliches Bayreuth und bei den Bürgern war groß, als das Monument im April 2012 feierlich eingeweiht werden konnte. Und da sitzt und repräsentiert sie nun: Unsere mehr als 250 Kilo schwere, 170 Zentimeter hohe und in edel schimmernde Bronze gegossene Markgräfin mit dem nachdenklichen Gesichtsausdruck. In der kleinen Gartenanlage vor dem Gontardhaus an der Opernstraße in Bayreuth hat sie einen würdigen Platz gefunden.